Bertrandt

© Thomas Tjiang: Bauen Kapazitäten auf: Christian Ruland, Geschäftsführer von Bertrandt Ingolstadt (l.), und Michael Weber, Verantwortlicher für die neue Betriebsstätte in Nürnberg.

Der Entwicklungsdienstleister baut die Sparte Elektromobilität aus – mit einem neuen Standort in Nürnberg.

In der Verkehrspolitik wird die Elektromobilität künftig eine immer wichtigere Rolle spielen. Auch Nürnberg wird bei diesem Thema mehr Gewicht bekommen, denn der Bertrandt-Konzern hat dort einen neuen Standort eröffnet. Im High Tech Center Nürnberg in der Neumeyerstraße arbeiten zunächst rund 50 Spezialisten, die vorhandenen und neuen Kunden aus dem Großraum Nürnberg Zugang zur gesamten Entwicklungsbreite und -kompetenz des Unternehmens verschaffen sollen. Michael Weber, Verantwortlicher für die neue Betriebsstätte, sieht den Dienstleister damit als „technologisches und prozessuales Bindeglied“ zwischen Automobilherstellern und Lieferanten.

Der Bertrandt-Konzern mit seiner Zentrale im baden-württembergischen Ehningen entwickelt individuelle Lösungen für die internationale Automobil- und Luftfahrtindustrie in Europa, China und den USA. Der Nürnberger Standort gehört zur Konzerntochter Bertrandt Ingolstadt und soll die Kapazitäten im Bereich Elektromobilität vergrößern, wie Weber weiter ausführt. Die E-Mobilität sorgt aus seiner Sicht dafür, dass sich die bisherige Wertschöpfungskette von den klassischen Autobauern stärker zu den Lieferanten verlagert. Bertrandt komme hierbei zugute, in Deutschland für alle Autohersteller tätig zu sein.

In Nürnberg wird etwa am Thermomanagement gearbeitet, um beispielsweise eine Batterie für E-Autos immer im richtigen Temperaturbereich zu halten. Beim Trendthema Elektromobilität dreht sich viel um den elektrischen Gesamtantrieb. Der ist aber nicht nur auf E-Autos beschränkt, auch im Anlagen- und Werkzeugbau wird der
E-Antrieb immer wichtiger. Außerdem wird in der Entwicklung mit einem „digitalen Zwilling“ gearbeitet. Diese Methode erlaubt es, mit den Konstruktionsdaten virtuell in einer speziellen Cloud den Betrieb eines Bauteils wie unter realen Bedingungen zu simulieren und weiterzuentwickeln. Solche Simulationen helfen auch im Bereich der gesamten Fahrzeugsicherheit. Weil in den USA beispielsweise andere Aufpralltests als in Deutschland notwendig sind, macht es die Simulation leichter, die Sicherheitszertifikate zu bekommen.

Ein weiteres Arbeitsfeld ist die „Mixed Reality“, in der die Entwickler in einer virtuellen Umgebung interaktiv arbeiten können. So können sie sich beispielsweise mit einer speziellen Brille simulieren lassen, wie das Felgendesign eines Reifens die Luftströmung beeinflusst. Dieses Tool soll auch anderen Firmen zur Verfügung gestellt werden. Eine junge Anwendungsmöglichkeit aus dem Flugzeugbau sind beispielsweise Schulungen, bei denen Monteure das Schrauben an einem neuen Flugzeugantrieb virtuell lernen können.

Für dieses Geschäftsfeld sind speziell ausgebildete Medieninformatiker nötig, ergänzt Christian Ruland, Geschäftsführer von Bertrandt Ingolstadt. Das sei ein weiterer Grund für den Standort im High Tech Center Nürnberg. Angesichts voller Auftragsbücher seien fehlende Fachkräfte ein begrenzender Faktor. Weil es in Nürnberg viel Kompetenz gebe, solle der Standort vor Ort auch helfen, klassische Ingenieure genauso wie neue Spezialisten – eben die Medieninformatiker – zu rekrutieren. Die interne Planung sieht vor, den neuen Standort mittelfristig auf bis zu 200 Arbeitsplätze aufzubauen. Dazu sollen auch Kooperationen mit Hochschulen und der Universität Erlangen-Nürnberg beitragen. Ganz unbekannt ist Bertrandt in Nürnberg allerdings nicht: In der Pretzfelder Straße sitzt bereits Bertrandt Services mit rund 100 Entwicklern. In diesem Geschäftsfeld werden Personaldienstleistungen erbracht, also etwa Entwickler als Zeitarbeiter verliehen.

Mehr unter: www.bertrandt.com

Autor: tt.

Quelle WIM