Elektromobilität: Wann macht die Umstellung des Fuhrparks auf Elektroautos Sinn?

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© N-Ergie / Claus Felix

Wann macht die Umstellung des Firmenfuhrparks auf Elektroautos Sinn? Wie geht man vor?

Das drohende Fahrverbot für Dieselfahrzeuge in den Innenstädten ist nur eines von zahlreichen Motiven von Unternehmen, die bei ihrem Firmenfuhrpark stärker auf Elektromobilität setzen wollen. Andere stellen das Thema Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt. Auf jeden Fall will die Umstellung gut geplant sein und die Unternehmen sollten sich über ihre Motive klar werden. Will man vor allem aus ökologischen Gründen auf Elektroautos umsteigen, ist zu berücksichtigen, dass diese nur dann eine klar positive Ökobilanz aufweisen, wenn sie mit Strom aus regenerativen Energiequellen geladen werden. Bei einem konventionellen Strom-Mix ist die Gesamtbilanz des Fahrzeugs nur unwesentlich günstiger als mit Verbrennungsmotor. Ein weiterer Punkt beim Thema Nachhaltigkeit: Es kann beispielsweise geprüft werden, ob sich die Zahl der Fahrten mit Hilfe moderner Kommunikationstechnik (virtuelle Meetings, Homeoffice-Tage etc.) von vorne herein verringern lässt. Schließlich sind vermiedene Fahrten ökologisch am sinnvollsten.

Ein Fuhrpark, der ganz oder teilweise aus Elektroautos besteht, muss mehrere Ziele erreichen: Er sollte ökologischen Kriterien genügen und gleichzeitig den Mitarbeitern funktionale und zeitgemäße Fortbewegungsmittel zur Verfügung stellen. Vielfach werden diese Aspekte nicht ausreichend analysiert, sodass die anfängliche Euphorie häufig verfliegt, wenn Mängel bei Komfort und Reichweite auftreten und dadurch betriebliche Aufläufe gestört werden. Dies lässt sich bei guter Planung vermeiden, wie auch ein internes Projekt der N-Ergie ergab, bei dem vor zwei Jahren die hauseigene Fahrzeugflotte daraufhin überprüft wurde, wo es Potenziale für Kosteneinsparungen gibt und in welchen Bereichen die Umstellung auf Elektrofahrzeuge sinnvoll ist. Aus diesen Erfahrungen lassen sich grundlegende Empfehlungen für die Umstellung ableiten.

Fahrstrecken analysieren

In einem ersten Schritt muss man grundlegende Daten erheben wie Standorte der Fahrzeuge, Nutzungszeiten und Länge der täglichen Strecken. Diese Datenmengen wird man nur dadurch bewältigen und sinnvoll auswerten können, indem die Fahrtenbücher digitalisiert werden. Anschließend werden Interviews mit den Mitarbeitern der Fachabteilungen geführt, die die Fahrzeuge einsetzen. Die Einschätzungen, die die Mitarbeiter in den Gesprächen über den täglichen Umfang ihrer Fahrten und die erforderlichen Reichweiten geäußert haben, werden dann mit dem Bedarf abgeglichen, der sich aus der Analyse der Fahrtenbücher ergeben hat. Erfahrungsgemäß überschätzen die Kollegen tendenziell die Anforderungen, die die Fahrzeuge nach ihrer Meinung erfüllen sollen. Berücksichtigt werden muss zudem, ob bestimmte Mitarbeiter oder Abteilungen Fahrzeuge mit besonderer Ausstattung benötigen (z. B. Fahrzeuge für Service-Techniker mit Werkzeug oder festen Einbauten). Diese Fahrzeuge können in der Regel nicht im allgemeinen Fahrzeug-Pool angeboten werden, der allen Mitarbeitern für „normale“ Fahrten offen steht. Positiver Nebeneffekt einer solchen umfassenden Analyse: Es dürften dadurch bisher nicht erkannte Einsparungspotenziale aufgedeckt werden, ob es nun am Ende tatsächlich zu einer Umstellung auf Elektromobilität kommt oder nicht. Ein Ergebnis könnte sein, dass der Fahrzeugpark noch zu diversifiziert ist und dass man stärker auf weitgehend einheitliche Fahrzeuge mit standardisierter Einrichtung setzen sollte. Dadurch verringern sich Aufwand und Kosten bei Beschaffung und Wartung deutlich.

Nachdem man Erkenntnisse über Fahrzeiten, Fahrstrecken und Anforderungen an die Fahrzeuge gewonnen hat, sollten in einem zweiten Schritt Nutzergruppen mit ähnlichem Mobilitätsbedarf zusammengefasst werden. Dadurch wird es möglich, Pkw und auch Nutzfahrzeuge standortbezogen in Carpool-Einheiten zusammenzufassen. Die Fahrzeug-Pools orientieren sich nicht an Geschäftsbereichen und Abteilungen, sondern an den Anforderungen der einzelnen Mitarbeiter. Fahrzeuge, die bisher nur bestimmten Abteilungen zur Verfügung standen und damit oft nicht optimal genutzt wurden, können nun auch von anderen Abteilungen gebucht werden. Aus Sicht des einzelnen Mitarbeiters bedeutet das, dass die Fahrzeug-Pools größer und die Möglichkeiten der Buchung flexibler werden. Außerdem reduzieren sich die Standzeiten der einzelnen Fahrzeuge und dadurch auch die Kosten für den gesamten Fuhrpark. Um diese Potenziale überhaupt zu nutzen, ist eine benutzerfreundliche Software nötig, die allen berechtigten Mitarbeitern offen steht und bei der sich Einschränkungen für spezielle Fahrzeuge voreinstellen lassen (z. B. Allrad- oder Sonderfahrzeuge nur für bestimmte Berechtigte).

Wo sind Elektroautos sinnvoll?

Parallel zu diesen Analysen wird überprüft, wo der Einsatz von Elektrofahrzeugen sinnvoll ist: Für jedes Fahrzeug wird im EDV-System hinterlegt, welche Strecke bei 90 Prozent der damit absolvierten Fahrten zurückgelegt wird. Sobald für diese Reichweite ein geeignetes Elektromodell am Markt zur Verfügung steht, wird das Fahrzeug bei der nächsten Erneuerung getauscht. Für die restlichen zehn Prozent der Fahrten müssen im Pool natürlich Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor angeboten werden. Wenn man davon ausgeht, dass in den kommenden Jahren auch Transporter mit einer Reichweite von 300 Kilometern erhältlich sind, ist absehbar, dass ein beträchtlicher Teil der betrieblichen Fahrzeugflotten durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden kann.

Die durchschnittliche tägliche Fahrtstrecke der Fahrzeuge im Pool der N-Ergie liegt bei 65 Kilometern. Weil aber die „Reichweitenangst“ bei vielen Mitarbeitern noch weit verbreitet ist, werden nur Modelle angeschafft, deren Reichweite bei mindestens 150 Kilometern liegt. Für das Gros der tatsächlichen Fahrten würden also Fahrzeuge mit weit geringerer Reichweite genügen. Um die Batterie bei Bedarf unterwegs doch aufladen zu können, finden sich an Bord der Elektroautos Ladekarten des Ladeverbundes Franken+. Für Kollegen mit Elektro-Dienstfahrzeugen werden außerdem zuhause Wandladestationen eingerichtet.

Generell reichen bei Betreibern kleiner Fuhrparks mit etwa drei bis fünf Elektrofahrzeugen zwei bis drei Ladestationen ohne IT-Intelligenz aus. Wenn kein weiterer Ausbau angedacht wird, dürfte sich für sie die Investition in aufwendige IT-Lösungen nicht rechnen und sie können die Ladestationen in die vorhandene Hausinstallation integrieren. Bei größeren Fuhrparks empfiehlt es sich jedoch bereits vor der Errichtung der ersten Ladestation, den späteren Ausbau in die Planungen mit einzubeziehen. Sowohl die Anschlussleistung als auch die Systeme für die interne und externe Verrechnung sollten sich an den wachsenden Bedarf problemlos anpassen lassen.

Die derzeit angebotenen Buchungs-Tools können leider die Reichweiten und Ladestände von Elektrofahrzeugen noch nicht so verarbeiten, dass bei jeder Buchung ein Fahrzeug mit gerade ausreichender Ladekapazität zur Verfügung gestellt wird. Wünschenswert ist eine Plattform-Lösung, die Elektrofahrzeuge nach tatsächlichem Ladestand und Reichweitenbedarf zuweisen, aber auch die Abrechnung und das Last- und Lademanagement übernehmen kann. Eine solche Lösung wird derzeit von der N-Ergie entwickelt. Ziel ist ein Last- und Lademanagement, das mit der Buchungs-Software verbunden ist und steuern kann, welches Fahrzeug wann vollgeladen zur Verfügung stehen muss. Der Fahrzeugnutzer selbst bucht dann in Zukunft kein bestimmtes Fahrzeug mehr, sondern gibt lediglich die Anzahl der benötigten Sitzplätze, das Ladevolumen und die erforderliche Reichweite ein. Das Buchungstool wird dann das nächste passende Fahrzeug zuweisen. Weiterer Vorteil einer solchen Lösung: Das Fahrpark-Management könnte alle registrierten Fahrten analysieren und die Beschaffung neuer Fahrzeuge weiter optimieren – ein zusätzliches Potenzial für Kosteneinsparungen.

Zu empfehlen ist also, die Umstellung auf Elektromobilität in eine umfassende Analyse des Fuhrparks einzubinden. Erfahrungsgemäß sind die Mitarbeiter anfangs skeptisch, entwickeln dann aber eine große Akzeptanz, ja Begeisterung für die E-Mobilität. Denn bei einem gut gemanagtem Fuhrpark und einer sorgfältig geplanten Einführung von Elektroautos wird sich die „Reichweitenangst“ der Mitarbeiter verflüchtigen.

Autor: Von Claudia Heinrich

Claudia Heinrich ist Leiterin des Fuhrparks der N-Ergie Aktiengesellschaft in Nürnberg (www.n-ergie.de).

Quelle: WIM online.